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Stadtwerke Solingen für eine grüne Zukunft

Wie SWS ihre Strategie auf erneuerbare Energien ausrichten

Die Stadtwerke Solingen (SWS) haben ihren Ökostrom-Anteil im Strommix verdoppelt und prognostizieren weitere Veränderungen in der Beschaffung, sollten mehr Stadtwerke-Kunden auf grünen Strom umstellen. Im Rahmen der Pressekonferenz am 11. April erläuterten SWS-Aufsichtsratsvorsitzender Manfred Krause und SWS-Geschäftsführer Andreas Schwarberg, welche Rolle erneuerbare Energien in der strategischen Ausrichtung der SWS spielen und wie der Solinger Energieversorger eine ökologische Energie-Wende fördert.

Seit dem Atomunfall in Fukushima steht die Energiepolitik auf dem Prüfstand, und über einen schnellen Ausstieg aus der Atomenergie sowie die Möglichkeiten einer umweltverträglichen Stromversorgung wird breit diskutiert. Mit Abschaltung von sieben Atomkraftwerken älterer Bauart, Sicherheitsüberprüfung aller 17 deutschen Kernkraftwerke und Aussetzung der Laufzeitverlängerung im Rahmen des Drei-Monats-Moratoriums reagiert die Bundesregierung auf die Diskussionen in der Bevölkerung.

„Die Veränderungen in der Energiepolitik erhöhen auch die Ansprüche an eine nachhaltige Unternehmenspolitik lokaler Energieversorger wie der Stadtwerke“, bekräftigte SWS-Aufsichtsratsvorsitzender Manfred Krause. „Die SWS müssen in der Debatte um Atomstrom eine klare Position für den Ausbau der erneuerbaren Energien beziehen.“ SWS-Geschäftsführer Andreas Schwarberg sieht den eingeschlagenen Kurs der SWS bestätigt: „Als der Atomkompromiss vor einem halben Jahr verabschiedet wurde, haben wir unmissverständlich deutlich gemacht, dass die Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke Investitionen in die regenerative Stromerzeugung behindert. So tragisch der Anlass Fukushima auch ist – das dadurch in Gang gesetzte Umdenken in der Energiepolitik begrüßen wir.“

Dass die SWS nicht erst seit den aktuellen Debatten eine Strategie der Nachhaltigkeit verfolgen, lasse sich, so der SWS-Geschäftsführer, anhand konkreter, langfristiger Maßnahmen belegen: „Nachhaltigkeit ist bei den SWS keine Eintagsfliege, die mit politischen Diskussionen kommt und geht. Ökostrom-Tarife seit 1999, der langfristige Aufbau der regenerativen Strom-Eigenerzeugung - zuletzt die Photovoltaik-Anlagen - oder auch unser Förderprogramm Pro Umwelt, über das wir seit 1997 Investitionen in energiesparende Technologien mit gut 1,5 Millionen Euro gefördert haben: Das sind alles Bausteine einer langfristigen Nachhaltigkeitsstrategie, die wir weiter forcieren.“

Viele Stadtwerke-Kunden erkundigen sich bei den SWS nach Ökostrom-Angeboten und nach der Zusammensetzung des SWS-Stromangebots, wie SWS-Vertriebsleiter Stefan Ziebs bestätigt. Der SWS-Standard-Strommix setzte sich 2009 wie folgt zusammen: zu 24,9% aus erneuerbaren Energiequellen, zu 55,7% aus fossilen und sonstigen Energieträgern und zu 19,3% aus Kernenergie. Im Vergleich hatte die Kernkraft bundesweit einen Anteil von 24,9% an der Gesamtversorgung. Stefan Ziebs erläuterte, inwiefern der Energieeinkauf und der Strommix der SWS sich verändern: „Wir verfolgen das Ziel, unseren Kunden einen ökologischen Energiemix anzubieten, der auch ökonomisch vertretbar ist.“ Der hundertprozentigen Umstellung auf Ökostrom erteilte Ziebs eine vorläufige Absage: „Die sofortige völlige Abkehr von konventionell erzeugtem Strom hätte zur Folge, dass der Strompreis in Solingen zukünftig stark steigen würde, da am Markt Ökostrom nur im begrenzten Umfang zur Verfügung steht. Als kommunales Unternehmen und Grundversorger tragen wir eine besondere Verantwortung für den einzelnen Kunden und halten weiterhin eine schrittweise Erhöhung des Ökostromanteils zukünftig für richtig.“

Die ersten Veränderungen schlagen sich bereits im SWS-Energie-Einkauf nieder: „Die SWS haben ihren Ökostrom-Anteil im Beschaffungsportfolio verdoppelt – von 13 GWh auf knapp 30 GWh“, so Stefan Ziebs. „Die erneuerbaren Energien sind weiter auf dem Vormarsch, und wir erwarten eine erhöhte Nachfrage nach Ökostrom. Wir sind uns sicher, dass diese Entwicklung auch in den nächsten Jahren weiter anhalten wird.“
Es gelte die Devise: Je mehr Kunden Ökostrom bei den Stadtwerken buchen, desto nachhaltiger wird der SWS-Strommix zukünftig ausfallen.

Die SWS führten im Jahr 1999 ihren ersten Ökostrom-Tarif „energreen“ ein. Der Tarif ist vom Grüner Strom Label e.V. in Gold zertifiziert und fördert den Ausbau der erneuerbaren Energieerzeugung in der Region. Für energreen-Kunden beziehen die SWS ausschließlich Strom, der über Anlagen der Solarenergie, Windkraft, Biomasse, Geothermie und Wasserkraft erzeugt wird.



Im Jahr 2008 führten die SWS einen zweiten Ökostrom-Tarif ein, „Ökoplus“. Für 1,50 Euro zusätzlich pro Monat – unabhängig von der Verbrauchsmenge - beziehen Kunden im Tarif „Ökoplus“ TÜV-zertifizierten ökologischen Strom, der zu 100 Prozent aus Wasserkraft gewonnen wird. Vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2011 übernehmen die SWS den monatlichen Aufpreis für bestehende Kunden und für neue Kunden, die sich bis zum 31. Mai 2011 für den „Ökoplus“-Tarif entscheiden. Seit Bekanntgabe des Angebots zur Handwerksmesse am 26. März haben sich bislang 175 Kunden neu für Ökoplus entschieden, sodass die Gesamtzahl der Ökostrom-Kunden auf 974 stieg.

Neben Ökostrom-Tarifen stellen die SWS nach wie vor Energie-effizienz-Beratung in den Vordergrund. Für Vertriebsleiter Ziebs eine klare Sache: „Die eingesparte Kilowattstunde ist immer noch die günstigste und klimafreundlichste.“ Energiespartipps für den Alltag seien ein selbstverständlicher Service eines verantwortungsbewussten Energieversorgers. Darüber hinaus wollen die SWS mit ihrem Tochterunternehmen Enserva GmbH im Bereich wirtschaftlicher Energiedienstleistungen Impulse setzen und als Contracting-Partner Kunden bei Planung, Bau, Betrieb und Instandhaltung von Energieanlagen unterstützen.

Die Energieversorgung der städtischen Einrichtungen sei ebenfalls auf Nachhaltigkeit ausgerichtet, bekräftigte SWS-Aufsichtsratsvorsitzender Manfred Krause: „Auch die Stadtverwaltung wird bereits heute weitgehend ohne Atomstrom versorgt und künftig ist geplant, auch die restlichen städtischen Einrichtungen mit Ökostrom zu versorgen. Damit setzen wir ein deutliches Zeichen, dass uns die umweltfreundliche Versorgung unserer Stadt sehr wichtig ist.“ Ein typisches Beispiel für effiziente Energieversorgung in der Stadt ist das Versorgungskonzept über Strom aus dem Solinger Müllheizkraftwerk, das die Stadt gemeinsam mit den Stadtwerken in Solingen umgesetzt hat.

Krause erläuterte: „Energie, die in Solingen produziert wird, wird auch in Solingen eingesetzt. Der Strombedarf von städtischen Einrichtungen, wie Altenheimen, den städtischen Kliniken und Schulen sowie von allen wesentlichen Liegenschaften der Stadt wird bereits ausschließlich durch Strom des Solinger Müllheizkraftwerks gedeckt. Dieser ökologisch sinnvoll gewonnene Strom entsteht in einem Kraft-Wärme-Kopplungsprozess, bei dem gleichzeitig Strom und Wärme erzeugt werden.“

Dass die Stadt in Sachen Mobilität Flagge für Klimaschutz zeige, habe, so der SWS-Aufsichtsratsvorsitzende, eine jahrzehntelange Tradition. „Die O-Busse sind seit fast 60 Jahren unterwegs und stehen für das Bekenntnis der Stadt zur Elektromobilität.“ Seit 2008 fahren die Solinger O-Busse mit TÜV-zertifiziertem Ökostrom der Versorgungssparte. „Mit den klimafreundlichen O-Bussen kann jeder Solinger Bürger quasi Null-Emissionsfahrzeuge nutzen und etwas für die Umwelt tun, wenn er im Solinger Stadtgebiet unterwegs ist“, so Manfred Krause.

Die mobile Zukunft wollen die SWS über die Förderung individueller Elektromobilität gestalten. In diesem Jahr soll die erste öffentliche Ladestation in zentraler Lage in Solingen in Betrieb genommen werden, an der Elektrofahrzeuge mit grünem Strom betankt werden können. Auch sollen in naher Zukunft Elektrofahrzeuge für den Stadtwerke-Fuhrpark angeschafft werden. Darüber hinaus seien Förderprogramme für Elektrofahrzeuge und Infoveranstaltungen zum Thema umwelt-freundliche Mobilität für die Solinger Bürger in Planung.

Die Stadtwerke Solingen erzeugen auch selbst klimafreundlichen Strom. Seit Ende 2009 haben die SWS 730.000 Euro in Photovoltaik-Anlagen auf firmeneigenen Dächern investiert. Auf einer Fläche von 1600 Quadratmetern produzieren die Photovoltaik-Anlagen der SWS jährlich rund 185.000 Kilowattstunden. Damit kann der jährliche Strombedarf von etwa 70 Haushalten gedeckt werden, und es werden dadurch 103 Tonnen Kohlendioxid eingespart. Mit der Wasserkraft aus dem Wasserwerk Glüder werden jährlich rund 1,5 Millionen Kilowattstunden erzeugt. So viel verbrauchen etwa 570 Haushalte pro Jahr.

Die Beteiligung der SWS am Trianel Gaskraftwerk in Hamm-Uentrop entspricht zehn Prozent des Solinger Strombedarfs. „Das Kraftwerk ist hocheffizient und zeichnet sich durch besonders geringe Emissionen aus“, betont SWS-Geschäftsführer Schwarberg. „Auch mit Blick in die Zukunft, wenn es gilt, den Atomstrom durch erneuerbare Energien zu substituieren, sind flexibel einsetzbare Gaskraftwerke wichtig, um Erzeugungslücken bei erneuerbaren Energien zu schließen.“


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42655 Solingen
Stadtwerke Solingen ( SWS )
 
Eingestellt  März 2012
2012-03-08